2007 - Die lieben Kinder

Komödie in drei Akten von Jack Popplewell; Deutsch von Christian Wölffer

 

„Wenn die Katze aus dem Haus ist, tanzen die Mäuse auf den Tischen“, das denkt sich wohl auch Joan Warwick, leidgeprüfte Mutter von drei quirligen, heranwachsenden Töchtern, als sie sich auf den Weg zu einer mehrtägigen Flugreise nach Singapur macht. Also sollen die Großeltern während Joans Abwesenheit das Haus hüten und auf die Kinder aufpassen. Für Opa John Carlton, einen gefürchteten Gourmet und Restaurant-Kritiker, ist dies eine Horrorvorstellung.
Er muss unbedingt sein neues Buch zu Ende bringen, und dazu braucht er absolute Ruhe. Oma Beatrice jedoch ist in ihrem Element und wild entschlossen, eine tolle und aufregende Zeit mit den „lieben Kindern“ zu verbringen. Doch kaum ist Joan aus dem Haus, platzt eine „Bombe“ nach der anderen, und selbst Beatrice muss feststellen, dass es leichter ist, einen Sack voll Flöhe zu hüten als drei pubertierende Mädchen…

Mit „Die lieben Kinder“ ist Autor Jack Popplewell eine warmherzige Familienkomödie gelungen. Obwohl die Handlung stark in den 50er Jahren verhaftet ist und dadurch ein wenig angestaubt wirkt, wachsen uns die liebenswert-chaotischen Figuren jedoch schnell ans Herz und die verzweifelt-komischen Bemühungen der Protagonisten, das häusliche Chaos in Grenzen zu halten, verfehlen auch heute ihre Wirkung nicht. Das gilt auch für den amüsanten Schlagabtausch zwischen Beatrice und John Carlton, die das Musterbeispiel eines zänkischen alten Ehepaares abgeben, bei dem jeder die Schwächen des anderen genau kennt und sie zu seinem Vorteil zu nutzen versteht. Diese Momente sind es vor allem, die das Stück aus unserer Sicht auch heute noch sehens- und zeigenswert machen. Um die Glaubwürdigkeit zu erhöhen, haben wir die Handlung durch Kostüme und Bühnenbild in die Mitte der 60er Jahre verlegt.

Alfred Salm

Jack Popplewell
wurde 1911 in Leeds, England, geboren, wo er auch seine Jugend verbrachte. Als Schriftsteller trat er erstmals 1940 in Erscheinung. In der Bühnenzeitschrift „The Stage“ wurde er als Beispiel für einen Künstler erwähnt, der ohne entsprechende Beziehungen und einflussreiche Freunde – nur durch Leistung und Ausdauer – Karriere machte. Bekannt wurde er aber 1940 vor allem als Komponist durch seinen Evergreen „If I should fall in Love again“, ein Schlager, mit dem er nicht nur in England, sondern auch in den USA zu Ruhm kam. Weitere Kompositionen folgten, hauptsächlich für das Londoner Palladium und das Hippodrome. Aber auch als Komponist von Filmmusiken hat sich Jack Popplewell einen Namen gemacht.
Erst 1953 wandte sich Popplewell der Dramatik zu. Sein Erstlingswerk, Blind Alley, eine Kriminalgeschichte, bekam gute Kritiken und wurde 1954/55 verfilmt. So ermutigt, schrieb er weiter und es entstand die Komödie Dear Delinquent (Brave Diebe), die am Londoner Aldwych-Theatre zum Serienerfolg wurde und Popplewell nun auch weltweit bekannt machte.
Die deutschsprachige Premiere fand in Wien statt und wurde zu seinem meistgespielten Stück, gerade im deutschsprachigen Raum. Im Lauf der Jahre folgten noch zahlreiche weitere „Popplewells“, die auch auf deutschen Bühnen reüssierten, darunter Darling, I`m home (Liebling ich bin da) und Busybody (Keine Leiche ohne Lily), sein wohl erfolgreichstes Stück, mit der unübertroffenen Grethe Weiser in der Titelrolle. Auch Dear Children (Die lieben Kinder) lief in der Übersetzung von Jürgen Wölffer erfolgreich auf deutschen Bühnen und war 1970 als Produktion des Theaters am Kurfürstendamm mit Grethe Weiser (Beatrice) und Friedrich Schoenfelder (John Carlton) im Fernsehen zu sehen. Regie führte Viktor de Kowa.

<<< zurück